lebensqualität

Editorial LQ 2/2020

«Der Mensch ist ein Entwicklungswesen.» Dieser Satz ist in der Kinästhetik allgegenwärtig. Es wird immer betont, dass die Entfaltung der menschlichen Bewegungskompetenz in alltäglichen Aktivitäten den wichtigsten Aspekt für Entwicklung darstellt und daher im Vordergrund der Forschung steht. Immer wieder tauchen dabei aber auch folgende Themen auf: «Die Emotionen dürfen nicht außer Acht gelassen werden und der soziale Kontext spielt doch auch eine Rolle.» Dies kann zu Kontroversen führen, denn die einen vertreten die Ansicht, dass Emotionen eher ins Fachgebiet der Psychologie gehören, andere wiederum versuchen ganzheitlicher zu denken. Aber was heißt «ganzheitlich»?
In diesem Ringen um ein tieferes Verständnis der individuellen Entwicklung des Menschen stoßen wir immer wieder an die Grenzen unserer Erkenntnis. Den Menschen als biopsychosoziale Einheit zu begreifen, eröffnet eine neue Erkenntnisebene. Denn, wie Stefan Knobel im Leitthema dieser Ausgabe der LQ darlegt, bieten «die biotischen Möglichkeiten des Menschen die Grundlagen […] für die Potenziale, die ein Mensch auf den psychischen und sozialen Ebenen entfalten kann» (S. 9). Der biopsychosozialen Einheit Mensch nähern sich er und weitere AutorInnen aus unterschiedlichen Perspektiven an.
Auch die Rubrik «praxis» zeigt den Menschen als biopsychosoziale Einheit. Die Gewichtung der drei eng miteinander verwobenen Ebenen ist in jedem Artikel etwas anders. Und doch begegnet man darin immer dem ganzen Menschen in seiner Individualität.
Gerade jetzt, in dieser uns alle betreffenden, schwierigen Zeit, ist es unabdingbar, unsere individuelle Entwicklung zu gestalten, um uns einer bevorstehenden Änderung der Umwelt in einer gelingenden Weise anpassen zu können. Mit einem grundlegenden Verständnis des Menschen als biopsychosoziale Einheit haben wir dazu ein starkes Instrument zur Hand.

Lassen Sie sich inspirieren!
Ute Kirov

von Kirov, Ute

Zeitschrift Lebensqualität 2020 Nummer 2 Titelseite