lebensqualität

Editorial lebensqualität 2/2008

"Do the right thing!"

von Matt, Cornelia
Unsere Zeit ist geprägt von Standards, die sich quer durch alle Lebensbereiche ziehen. Wir definieren immer neue Regeln nach dem Muster: Tritt Fall „A“ ein, kommt Plan „B“ zur Anwendung. Wir errichten Normen, um uns – scheinbar – in der Komplexität des Lebens orientieren zu können. Dieses Verhaltensmuster greift nicht nur in der Wirtschaft und Politik um sich, sondern hat bereits auch unser Sozial- und Gesundheitswesen erfasst: „Systeme und Instrumente, die auch in der Industrie und im Dienstleistungssektor erfolgreich zur Anwendung kommen, spielen auch im Gesundheits- und Sozialbereich eine wichtige Rolle“, schreibt Stefan Knobel.

Qualitätssysteme, Standards, Qualitätsoptimierung heißen die Zauberworte. Ihre Umsetzung ist einerseits „State of the Art“, wirft aber auf der anderen Seite eine gravierende Frage auf: Kann Handeln nach Schema X in einigen Fällen nicht kontraproduktiv sein?

Ein Beispiel: In der Betreuung und Pflege von Menschen geht es vor allem darum, den Blick auf das Individuum zu fokussieren; sich nach den Bedürfnissen des Einzelnen zu richten; nach einer eingehenden Kommunikation gemeinsam den besten Weg zu finden. Das bedeutet, sich eine gewisse Spannbreite an möglichen Maßnahmen zu „leisten“, die von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt werden können.

Das Motto muss heißen: Im richtigem Moment das Richtige tun. Dr. Johann Donis, Chefarzt einer Neurologischen Abteilung in Österreich schreibt auf Seite 13: „Bei einem Wachkoma-Patienten kann ich kein standardisiertes Programm abspulen. Ich muss stattdessen in der Lage sein, die Reaktion des anderen im Moment zu beurteilen.“

In diesem Sinne: Mehr Individualität verhilft zu mehr Lebensqualität!

Viel Spaß beim Lesen!

Zeitschrift Lebensqualität 2008 Nummer 2 Titelseite