lebensqualität

Editorial lebensqualität 4/2011

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

von Matt, Cornelia
Die Unterstützung älterer Menschen in ihrer Bewegungskompetenz ist eine ständige Gratwanderung zwischen "Freiheitsbeschränkung" - durch Bettgitter oder gebremste Rollstühle – und Gewährenlassen, was oft das Risiko einer Verletzung in sich birgt. "Sturzangst ist eine der großen Epidemien unserer Zeit", heißt es im Leitartikel auf S. 4, "aber ein Sturz ist aus der Perspektive der Bewegungskompetenz betrachtet eine Fortbewegungsart. Stürzen gehört also zum Leben und ist keine Krankheit."

In der steirischen Seniorenresidenz "Kamillusheim" kennt man keine Dauermedikation oder Fixation, um Insassen "ruhig zu stellen", sondern "wenn jemand nicht stillsitzen will und aus dem Rollstuhl rutscht, stellen wir die Frage nach dem Warum", erläutert Pflegedienstleiterin Breininger im Interview auf S. 7. Für die Beantwortung werden die Analyseinstrumente von Kinaesthetics herangezogen. Es geht darum, mit den Menschen zusammen innere Sicherheit zu entwickeln, mit ihnen gemeinsam in Bewegung zu kommen und auf diese Weise die Anzahl ihrer individuellen Bewegungsmöglichkeiten zu erweitern.

Aus demselben Grund übt die Kinaesthetics-Trainerin Sommer (S. 25) mit älteren Menschen den Weg vom und zum Boden, denn "das nimmt die Angst vor einem Sturz, wodurch sich die Körperspannung verringert". Dass dennoch ein Restrisiko bestehen bleibt, auch wenn sich das Pflegepersonal nach bestem Wissen und Gewissen für ein "Fördern" statt ein "Einschränken" entschieden hat – von dieser schmerzvollen Erfahrung berichtet Pflegerin Monika Schmidiger auf S. 9. Auf den Punkt gebracht heißt Kinaesthetics in der Altenpflege: Jeder Mensch kann lernen, mit den Karten, die ihm ausgeteilt wurden – und seien sie noch so schlecht - gut zu spielen.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen!

Zeitschrift Lebensqualität 2011 Nummer 4 Titelseite