lebensqualität

Editorial lebensqualität 2/2013

Lebenslanges Lernen

von Matt, Cornelia
„Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss“, wussten bereits Max und Moritz. Dieses Lernen hängt nicht allein von der genetischen Disposition eines Menschen, sondern von der Summe verschiedener Faktoren ab.

Der Kybernetiker Gregory Bateson stellte eine hierarchische Lernmtheorie auf und unterstrich die Bedeutung des jeweiligen Kontextes, in dem das Lernen stattfindet. Axel Enke setzt sich auf S. 4 mit diesem Kontext auseinander. Gemeint ist die Verknüpfung von Aktivitäten mit konkreten Erfahrungen in einer spezifischen Situation.

Eine wichtige Komponente von Kinaesthetics besteht in der Gestaltung der Umgebung: Welche situationsabhängige Unterstützung braucht mein Gegenüber, um neue Bewegungsmuster zu verinnerlichen? Sei es eine Polsterstütze wie bei Marianne („Ich kann nur verstehen, was ich spüre!“, S. 20), sei es mentales Kräftesammeln wie bei Jutta. (S. 26). In beiden Fällen führte die neu erlernte Bewegungskompetenz zu mehr Lebensqualität: „Kinaesthetics hat mich mit Leben erfüllt“, bringt es die MS-erkrankte Jutta Hauschildt auf den Punkt.

Ein vollkommen anderes Einsatzgebiet von Kinaesthetics schildert Pflegedienstleiterin Ute Becker, die ihr gesamtes Team in Kinaesthetics-Schulungen schickte, was der gesamten Institution ein neues Klima bescherte: Kinaesthetics als Teambildungsprozess auf S. 8.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich dem „Infant Handling“: Ute Kirov widerlegt alte Vorurteile, Frühgeborene in Ruhe zu lassen. Sie vertritt die Meinung, dass Säuglinge möglichst viel Bewegungsunterstützung erfahren sollen; denn: „Berührung stresst nicht.“ (S. 14)

In diese Kerbe schlägt auch die aktuelle Titelgeschichte: Ausgehend von der Bindungstheorie des englischen Psychoanalytikers John Bowlby, die besagt, dass die Bindung des Säuglings an eine Bezugsperson eine evolutionär verankerte Reaktion ist, die das Überleben sichert, geht Kinaesthetics-Ausbilderin Rosmarie Suter noch einen Schritt weiter: Sie beschreibt, wie Bindung durch Bewegung gefestigt werden kann (S. 42).

Viele andere Beiträge machen die neueste Ausgabe wiederum zu einem spannenden Ganzen.
Viel Spaß beim Lesen!

Zeitschrift Lebensqualität 2013 Nummer 2 Titelseite